Memories of Heidelberg

„Eine Schauergeschichte? Kann sein, aber vielleicht schreibt Heinz Strunk auch einfach die realistischsten Liebesgeschichten der deutschen Literatur“ schrieb Tobias Becker im Spiegel und der Rowohltverlag nimmt dieses Zitat – rot hervorgehoben – auf die Rückseite der Covers mit auf.

Der neue Roman, so die Einordnung des Verlags, von Heinz Strunk „Memories of Heidelberg„, erschienen im Juli 2026 im Rowohltverlag, kann stilistisch, inhaltlich und quantitativ mit seinen etwa 170 Seiten auch durchaus als Novelle betrachtet werden, was es aber ganz gewiss nicht ist: es ist keine Liebesgeschichte.

Betram und Isolde, beide sind jenseits der Mittefünfziger, haben sich auseinandergelebt, führen eine marode Ehe – vermutlich einfach nur noch aus Gewohnheit und weil es einfacher ist, als sich zu trennen – und müssen nun ein paar Tage aus familiärem Anlass in Heidelberg verbringen. Dort gehen sie jeden Abend in das gleiche Schiffsrestaurant und mit jedem Tag und jedem Abend sind sie und ihre Umwelt gereizter, werden schlechter behandelt, alles eskaliert und droht auf eine Katastrophe zuzusteuern. Mehr darf hier eigentlich auch über den Inhalt nicht gesagt werden. Das Buch ist ein Pageturner und lässt sich leicht in einem Fluss weglesen.

Die Literaturkritik sagt Heinz Strunk oft nach, dass er ein gekonntes Porträt der „kleinen Leute“ und derer Abgründe zeichne, was selbstverständlich eine gewisse Arroganz beinhaltet, da sich die entsprechenden Literaturkritiker ja gewiss nicht zu diesen „kleinen Leuten“ zählen. Für mich sind es eher Porträts von Allerweltsleuten zu denen wir alle gehören und deren Welt wir durchaus und gut kennen, warum wir uns hierin auch wieder erkennen können – natürlich stets mit einem gewissen Abstand, denn ganz so arg ist es bei uns ja nun doch nicht, aber bei den Schmitzens nebenan, ja, da können wir es uns gut genau so vorstellen.

Eine furiose, humorvolle, fesselnde Novelle, die sich von Seite zu Seite steigert und geradezu irrsinnig endet.

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