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  • Lena Schätte: „Das Schwarz an den Händen meines Vaters“

    Lena Schätte: „Das Schwarz an den Händen meines Vaters“

    „Meine Mutter bringt uns Töchtern Dinge bei. Andere Dinge, als mit geradem Rücken am Esstisch zu sitzen, als Danke und Bitte zu sagen, andere Dinge als ihrem Sohn. Sie bringt uns bei, dass Schnaps Ärger bedeutet. Dass Männer, die Bier trinken, harmlos sind: Sie tanzen und lallen und plaudern private Dinge aus, doch schließlich lassen sie sich ins Bett schubsen und schlafen friedlich ihren Rausch aus. Männer, die Schnaps trinken, werden aggressiv, suchen Streit, werden von der Polizei nach Hause gebracht…“

    So beginnt Lena Schättes Roman „Das Schwarz an den Händen meines Vaters„. Der 2025 im S. Fischer Verlag erschienene Roman ist ein stiller, dichter und lakonischer Roman mit einer ganz besonderen Bildhaftigkeit. Ein Roman, der beim Lesen wehtut und gleichzeitig tröstet und den man nur schwer beiseitelegen kann. Ein echter Pageturner trotz eines sehr schweren Themas.

    Auf etwa 190 Seiten schreibt die Gewinnerin des Ingeborg Bachmann Preis 2026 Lena Schätte die Geschichte der Ich-Erzählerin „Motte“, der Tochter eines Arbeiters und Trinker. In zwei Erzählsträngen blicken wir zum einen in die Kindheit und Jugend von „Motte“ zum anderen in die Gegenwart, in der „Motte“ selbst viel zu viel trinkt als gut ist. Das Thema der Alkoholsucht ließe vermuten, dass wir beim Lesen in einen Strudel von Gewalt, Missbrauch gezogen würden. Aber ganz im Gegenteil ist es ein Roman voller Liebe und mit ausdrucksstarken Bildern, die extrem verkürzt Momente, Gedanken und Ängste widerspiegeln, für die es kaum Worte gibt.

    Ein Buch, das unbedingt empfehlenswert ist und in jeder guten Buchhandlung erhältlich oder bestellbar ist, zum Beispiel in der Bücherstube Dollendorf.

  • Nelio Biedermann: „Anton will bleiben“

    Die Furcht nach dem eigenen Tode vergessen zu werden ist wohl vielen von uns vertraut und genau diese Angst ist das Thema von Nelio Biedermanns einfühlsamen, leichthin erzählten und gut lesbaren Roman „Anton will bleiben„, der im Februar 2026 im Rowohlt Verlag neu aufgelegt wurde.

    Auf 220 Seiten erzählt Nelio Biedermann die Geschichte von Anton, der seit wenigen Jahren Witwer ist und nun die Diagnose erhält, dass er nicht mehr lange zu leben hat. Dies weckt in ihm die Frage: Wer wird sich an ihn erinnern? Schnell fasst er den Entschluss etwas bleibendes, ruhmreiches als Autor, Fotograf, Maler oder vielleicht auch Diktator zu hinterlassen.

    Spätestens mit seinem 2025 erschienen Roman „Lázár“ ist Nelio Biedermann in aller Munde und dies wird auch ausschlaggebend für den Rowohlt Verlag gewesen sein, Biedermanns tatsächliches Debüt – viele halten „Lázár“ für seinen ersten Roman – neu als Taschenbuchausgabe aufzulegen, nachdem er 2023 im kleinen Schweizer Arisverlag sein Debüt feierte.

    Wer „Lázár“ gelesen hat, wird seine Freude auch an „Anton wird bleiben“ haben. Nicht etwa, weil beide Romane die gleiche Wucht und Qualität hätten, sondern weil sich in „Anton will bleiben“ die literarische Qualität eines jungen Autors erstmal andeutet, es gibt zahlreiche gelungene und poetische Sequenzen. Aber ebenso fehlt dem Buch eine gewisse sprachliche wie inhaltliche Tiefe, was wir einem jungen Autor bei diesem Thema aber auch durchaus verzeihen können.